Georg Sperber
Forstpraktiker und Forstwissenschaftler
Georg Sperber (* 1933 in Nürnberg) ist ein deutscher Forstpraktiker und Forstwissenschaftler. Er war maßgeblich am Aufbau des Nationalparks Bayerischer Wald beteiligt und wurde bundesweit vor allem durch seine Beiträge zu den Debatten um das so genannte Waldsterben und den Klimawandel bekannt.
Leben und Wirken
Georg Sperber wurde 1933 in Nürnberg geboren. Nachdem er 1952 in Fürth sein Abitur abgelegt hatte, nahm er in München das Studium der Forstwissenschaften auf, das er 1959 abschloss. Bereits während dieser Studienjahre führten ihn forstliche Auslandsaufenthalte nach Bosnien, Spanien und Schweden. Mit der Dissertationsschrift Die Strobe im bayerischen Nordspessart promovierte Sperber dann 1962 an der Staatswirtschaftlichen Fakultät der Universität München, der auch die forstwissenschaftliche Abteilung angegliedert war.
Nach seinem Eintritt in die Bayerische Landesforstverwaltung war er Lehrer an der Landesforstschule in Lohr und Leiter einer Waldarbeitsschule in seiner Heimatstadt Nürnberg. Zusammen mit Hans Bibelriether war Sperber maßgeblich am Aufbau des Nationalparks Bayerischer Wald beteiligt und leitete - zuletzt als Forstdirektor - bis zur Pensionierung im Frühjahr 1998 das Forstamt Ebrach. In dieser Funktion war er für die Bewirtschaftung und Pflege des Steigerwalds zuständig. Schon früh in der "Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft" (ANW) engagiert, setzte Sperber deren Konzepte in seinem Amtsbereich auch in die Praxis um. Schon früh betätigte sich Sperber auch naturschützerisch. So ließ er während seiner Amtszeit im Staatsforst Ebrach rund 400 Waldtümpel anlegen, die unter anderem auch für den seltenen Fadenmolch geeignete Laichgewässer darstellen, den Sperber dort im Jahr 2000 erstmals sicher bestätigen konnte. Nachdem die bayerische Landesregierung unter Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) im Jahr 2003 die Zerschlagung der bisherigen bayerischen Forstorganisation beschlossen hatte, wurde das traditionsreiche Forstamt Ebrach zum 1. Juli 2005 im Zuge der so genannten Forstreform in Bayern aufgehoben.
Von 1967 bis 1969 war Sperber, der in jüngeren Jahren auch die Beizjagd ausübte, Gaumeister (Vorsitzender) des Landesverbands Bayern des Deutschen Falkenordens (DFO). 1988 gehörte er zu den Mitgründern des "Ökologischen Jagdverbandes" (ÖJV).
Als Anfang der 1980er-Jahre die Diskussion um das so genannte Waldsterben aufkam, war Sperber einer der ersten Warner. Zusammen mit seinem Kollegen, dem Forstamtsleiter Georg Meister, und dem Redakteur Christian Schütze verfasste er die Darstellung Die Lage des Waldes. Ein Atlas der Bundesrepublik. Daten, Analysen, Konsequenzen (1984). Dieses Buch spielte in der Debatte insofern eine wichtige Rolle, da darin erstmals umfangreiches Datenmaterial zur bundesweiten Waldsituation zusammengetragen und allgemeinverständlich aufbereitet worden war.
In den 1990er-Jahren konzentrierte sich Sperber dann auf die Themen Waldethik und Klimawandel. Für letzteren glaubt er im Wald viele Anzeichen gefunden zu haben, darunter den Umstand, dass der Holzeinschlag früher stets verlässlich im Winter bei Schnee und gefrorenem Boden möglich war, heute aber oftmals nicht mehr, wodurch in den matschigen Waldböden teilweise schwere Schäden durch die Holzernte entstehen. Als der WWF - World Wide Fund for Nature das Projekt "Klimazeugen" ins Leben rief und dazu am 22. November 2005 in Brüssel ein Gespräch zwischen fünf europäischen "Klimazeugen", ihren Länderabgeordneten und weiteren Mitgliedern des europäischen Parlamentes initiierte, vertrat Sperber Deutschland. Als deutscher "Klimazeuge" berichtete er dort über seine Erfahrungen mit dem Klimawandel und überreichte dem EU-Umweltdirektor Jos Delbeke 1313 Unterstützer-Postkarten aus seinem Heimatland.
Daneben engagierte sich Sperber, der bereits 1968 die forstlich-kulturhistorische Studie Die Reichswälder bei Nürnberg. Aus der Geschichte des ältesten Kunstforstes verfasst hatte, auch im "Arbeitskreis Forstgeschichte in Bayern". Zu seinen zahlreichen Fachveröffentlichungen gehörte auch der 2005 zusammen mit Forstamtsleiter Stephan Thierfelder herausgebrachte Bildband Urwälder Deutschlands.
Forstdirektor a.D. Dr. Georg Sperber lebt mit seiner Frau in Ebrach.
Schriften (Auswahl)
- Die Strobe im bayerischen Nordspessart, Dissertation, München 1962 (auch enthalten in dem zusammen mit Hans Bibelriether verfassten Buch Lärche und Strobe im Spessart, Forstwissenschaftliche Forschungen (Heft 16), Hamburg und Berlin 1962)
- Die Reichswälder bei Nürnberg. Aus der Geschichte des ältesten Kunstforstes, Mitteilungen aus der Staatsforstverwaltung Bayerns (Heft 37), München 1968
- zusammen mit Hans Bibelriether: Gehege im Nationalpark Bayerischer Wald, Grafenau 1971
- zusammen mit Georg Meister, Christian Schütze: Die Lage des Waldes. Ein Atlas der Bundesrepublik. Daten, Analysen, Konsequenzen, Hamburg 1984, ISBN 3-570-2141-6
- zusammen mit Stephan Thierfelder: Urwälder Deutschlands, München, Wien und Zürich 2005, ISBN 3-405-16609-8
Neben zahlreichen Beiträgen in Fachzeitschriften gehörte Sperber zudem zu den Mitverfassern folgender Werke:
- Jagd-Lexikon, München 1984, ISBN 3-405-12947-8
- Waldökosysteme im globalen Klimawandel. Hintergründe und Handlungsbedarf, Bonn 1994, ISBN 3-87081-274-5
- Ökologische Waldwirtschaft. Grundlagen - Aspekte - Beispiele, Heidelberg 1994 (2. Auflage 1996, ISBN 3-7880-9888-0)
- Naturnahe Waldwirtschaft. Prozeßschutz oder biologische Nachhaltigkeit?, Holm 1997, ISBN 3-3-930720-31-0
- Die Sandbirke - die Birken. Fachtagung zum Baum des Jahres 2000. Berichte aus der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Nr. 28. Freising 2000
- Forum Forstgeschichte. Ergebnisse des Arbeitskreises Forstgeschichte in Bayern 2000-2002, München 2003, ISBN 3-933506-22-0
Weblinks
- Literatur von und über Georg Sperber im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- WWF-Interview von Julia Balz mit dem Klimazeugen Georg Sperber
- Klimazeugen-Tag in Brüssel am 22. November 2005
Quelle: wikipedia

